Die Route führt uns heute im hintersten Ahrntal über das Windtal hinauf zur Lenkjöchlhütte und über das Röttal zurück nach Kasern. Diese Runde ist für mich alljährlich eine Pflichtwanderung – und jedes Mal bin ich aufs Neue beeindruckt. Heute begleiten mich Susi und Elisabeth. Die Luft ist bereits angenehm herbstlich, und nach zweieinhalb Stunden erreichen wir die Lenkjöchlhütte, das „Lenkl“.
Der Blick auf die Rötspitze, die schon leicht angezuckert ist, ist atemberaubend. Zufrieden genießen wir auf der Terrasse unseren Saft und die köstlichen Spaghetti des Chefs. Gestärkt spazieren wir noch zum Kreuz hinter der Hütte, wo uns die wärmenden Sonnenstrahlen empfangen.
Dort kommt Antonia auf mich zu – eine Kollegin aus dem Krankenhaus Bruneck – gemeinsam mit ihrer Schwester. Antonia ist gestern in Pension gegangen, ihre Schwester ist extra aus Bozen ins Ahrntal gekommen, um „af’s Lenkl zi gieh“. In unserem Gespräch teilen sie mir ihre Freude darüber mit, nun eine Rente zu erhalten – ein Privileg, das leider vielen Frauen in Südtirol verwehrt bleibt. Gleichzeitig erzählen sie, wie herausfordernd es war, genügend Beitragsjahre zusammenzubringen, da sie lange Zeit die Erziehung ihrer Kinder übernommen haben.
Wir sprechen über ihre Kinder, die teilweise im Ausland leben und studieren, über die Tochter, die einen Finnen geheiratet hat, und über die Sorge, die die politische Hetze im Land ihnen und ihren Familien bereitet. Sie wünschen sich Politiker:innen, die konstruktiv für das Wohl unseres Landes arbeiten, statt Hass und Angst zu schüren.
Ein großes Danke für dieses offene und ehrliche Gespräch – ein besonderer Moment oberhalb der Lenkjöchlhütte, der noch lange nachklingen wird.













