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Süd­ti­ro­ler Ver­an­stal­tun­gen in Gefahr – Ohne kla­re Stra­te­gie droht ein Kahl­schlag der Eventkultur

Die jüngs­ten Absa­gen bedeu­ten­der Sport­ver­an­stal­tun­gen in Süd­ti­rol – vom Reschen­see­lauf bis zum Dolo­mi­ti Super­bike – zei­gen ein alar­mie­ren­des Bild. Der Reschen­see­lauf wur­de nach 25 Jah­ren wegen Büro­kra­tie, stei­gen­den Risi­ken, feh­len­der Frei­wil­li­ger und man­geln­der Unter­stüt­zung beendet. 

Alex Plo­ner, Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter und ehe­ma­li­ger Prä­si­dent der Süd­ti­ro­ler Event­dienst­leis­ter, warnt ein­dring­lich: „Mit jedem Event, das eine lan­ge Tra­di­ti­on hat und nicht mehr durch­ge­führt wird, ver­lie­ren wir ein Stück Süd­ti­ro­ler Iden­ti­tät. Wir ris­kie­ren, dass eine gan­ze Event­kul­tur aus­stirbt. Nach­wuchs der Ver­ant­wor­tung über­nimmt lässt sich nur noch schwer oder über­haupt nicht mehr fin­den. Ich for­de­re schon seit Jah­ren, dass man sich gemein­sam Gedan­ken über die Süd­ti­ro­ler Event­kul­tur machen muss. Wir brau­chen eine Event-Stra­te­gie und kri­ti­sie­re, dass mein Vor­schlag, eine sol­che zu erstel­len, im Land­tag von der poli­ti­schen Mehr­heit abge­lehnt wur­de. Wäh­rend für Olym­pia Mil­lio­nen inves­tiert wer­den, kämp­fen loka­le Ver­an­stal­tun­gen, egal ob groß oder klein, die zum Groß­teil ehren­amt­lich orga­ni­siert wer­den, ums Überleben.”

Auch die Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Maria Eli­sa­beth Rie­der war von der Absa­ge über­rascht: „Ich woll­te auch die­ses Jahr wie­der am Reschen­see­lauf teil­neh­men, wie schon in den ver­gan­ge­nen Jah­ren. Der Lauf ist einer der schöns­ten und war für mich jähr­lich ein Pflicht­ter­min: die herr­li­che Lauf­stre­cke um den See, die per­fek­te Orga­ni­sa­ti­on durch den Ren­ner­club Vinsch­gau und die herz­li­che Betreu­ung durch die vie­len Frei­wil­li­gen. So war der Reschen­see­lauf ein Treff­punkt für vie­le Lauf­be­geis­ter­te. Es ist nicht vor­stell­bar, dass es ihn nicht mehr gibt.“

WIFO-Zah­len zei­gen, dass die Kul­tur- und Event­wirt­schaft über 1 Mrd. Euro Wert­schöp­fung erzeugt und rund 16.000 Arbeits­plät­ze sichert. Der Reschen­see­lauf, mit bis zu 4.000 Läu­fe­rin­nen und Läu­fern, hat sich über 25 Jah­re zu einem der pres­ti­ge­träch­tigs­ten Lau­fe­vents des Alpen­raums ent­wi­ckelt. Der Dolo­mi­ti Super­bike wur­de nach drei­ßig Aus­ga­ben ein­ge­stellt und war für das klei­ne Pus­te­rer Dorf Nie­der­dorf über drei Jahr­zehn­te DAS sport­li­che Aus­hän­ge­schild. Ob es eine Zukunft für die­ses Sport­event gibt, wird der­zeit son­diert. Alles ande­re als ein leich­tes Unterfangen. 

“Das Ehren­amts­ge­setz lie­fert bis­her nicht, was ver­spro­chen wur­de. Kein spür­ba­rer Büro­kra­tie­ab­bau, kei­ne ech­te Pla­nungs­si­cher­heit, kei­ne struk­tu­rel­le Unter­stüt­zung für Ver­ei­ne und Orga­ni­sa­to­ren. Die Fol­ge ist ein Rück­zug der Ehren­amt­li­chen und der Ver­lust jener Men­schen, auf denen die Ver­an­stal­tun­gen über­haupt auf­bau­en. Wir brau­chen JETZT eine Event‑Strategie für Süd­ti­rol. Kein wei­te­res Zögern, kein Weg­du­cken. Wenn wir jetzt nicht han­deln, ver­lie­ren wir Ver­an­stal­tun­gen, die unser Land über Jahr­zehn­te geprägt haben. Ich wer­de hier­zu mei­nen bereits gemach­ten Antrag wie­der im Land­tag ein­brin­gen. In Ant­holz Mil­lio­nen in eine Rand­sport­art zu inves­tie­ren und gleich­zei­tig tra­di­ti­ons­rei­che Ver­an­stal­tun­gen, die den loka­len Brei­ten­sport bedie­nen zu ver­lie­ren, zeugt von einer visi­ons­lo­sen Sym­bol­po­li­tik. Schö­ne Wor­te bei den Eröff­nun­gen die­ser Events allei­ne genü­gen nicht mehr. Süd­ti­rols Event­kul­tur braucht jetzt auch poli­ti­sche Füh­rung und Unter­stüt­zung, oder sie wird in weni­gen Jah­ren nur noch Erin­ne­rung sein.” warnt Alex Plo­ner.

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