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Wir war­ten nicht mehr! – Not­fall­plan gegen mona­te­lan­ge Ver­zö­ge­run­gen bei der Pflegeeinstufung

Im Rah­men einer Pres­se­kon­fe­renz stell­te die Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Maria Eli­sa­beth Rie­der gemein­sam mit der pfle­gen­den Ange­hö­ri­gen Moni­ka Sinn sowie der diplo­mier­ten Kran­ken­pfle­ge­rin und Initia­to­rin der Peti­ti­on „Wir war­ten nicht mehr“, Ulri­ke Hil­ber, einen Beschluss­an­trag zur Ein­füh­rung eines Not­fall­plans für die Pfle­ge­ein­stu­fung vor. Vor­ge­se­hen ist ein Maß­nah­men­pa­ket zur raschen Ent­las­tung: die befris­te­te Wie­der­ein­füh­rung der Ein­stu­fung von Amts wegen für offe­ne Anträ­ge, eine geziel­te per­so­nel­le Ver­stär­kung sowie die Ein­bin­dung exter­ner qua­li­fi­zier­ter Fach­kräf­te. Zusätz­lich soll ein inter­dis­zi­pli­nä­rer Arbeits­tisch mit allen rele­van­ten Akteu­rin­nen und Akteu­ren ein­ge­rich­tet wer­den, um das Ver­fah­ren struk­tu­rell wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Die über 4.100 Unter­schrif­ten der Peti­ti­on sol­len am Mitt­woch vor Beginn der Land­tags­sit­zung an die zustän­di­ge Lan­des­rä­tin Ros­ma­rie Pamer über­ge­ben werden.

Die Zah­len zei­gen die Dra­ma­tik der Situa­ti­on: Im Jahr 2025 wur­den 7.421 Ansu­chen um Pfle­ge­ein­stu­fung ein­ge­reicht, bear­bei­tet wer­den konn­ten ledig­lich 3.374 – also nur etwas mehr als die Hälf­te. Die durch­schnitt­li­che War­te­zeit beträgt der­zeit rund sie­ben Mona­te. Gesetz­lich vor­ge­se­hen ist hin­ge­gen eine Bear­bei­tungs­frist von 60 Tagen. Die­se Frist wird seit Jah­ren sys­te­ma­tisch über­schrit­ten. Für pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge bedeu­tet das nicht nur orga­ni­sa­to­ri­sche Unsi­cher­heit, son­dern häu­fig auch erheb­li­che finan­zi­el­le Belas­tun­gen. Pfle­ge beginnt ab dem ers­ten Tag – die finan­zi­el­le Unter­stüt­zung erfolgt oft­mals erst Mona­te spä­ter. Lan­des­weit sind aktu­ell 17 Ein­stu­fungs­teams im Ein­satz. Ange­sichts stei­gen­der Anzahl an Gesu­chen ist die­se per­so­nel­le Aus­stat­tung nicht aus­rei­chend. Die brei­te Unter­stüt­zung der Peti­ti­on zeigt, wie vie­le Fami­li­en betrof­fen sind und wie groß der Hand­lungs­druck ist. Die Initia­ti­ve soll ein kla­res Signal set­zen, dass die der­zei­ti­ge Situa­ti­on für Betrof­fe­ne nicht län­ger hin­nehm­bar ist. 

Ulri­ke Hil­ber, diplo­mier­te Kran­ken­pfle­ge­rin und Initia­to­rin der Peti­ti­on die sich seit Jah­ren inten­siv mit der Pro­ble­ma­tik der Pfle­ge­ein­stu­fung befasst, unter­streicht den Hand­lungs­be­darf: „Hin­ter jeder Zahl steht ein Mensch – eine Fami­lie, die Ver­ant­wor­tung über­nimmt. Mit der Peti­ti­on ‚Wir war­ten nicht mehr!‘ wol­len wir die­sen Men­schen eine star­ke Stim­me geben und errei­chen, dass die Pfle­ge in Süd­ti­rol wie­der ver­läss­lich, gerecht und vor allem zeit­nah abge­si­chert wird. Die Unter­schrif­ten wer­den wir die­se Woche an die zustän­di­ge Lan­des­rä­tin über­ge­ben. Die­se Peti­ti­on ist ein Zei­chen für vie­le pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge in Süd­ti­rol, die neben Kran­ken­häu­sern, Alters- und Pfle­ge­hei­men, die drit­te Säu­le sind, die Pfle­ge gewähr­leis­ten. Fal­len sie uns weg, sind wir nicht in der Lage, die Situa­ti­on zu kom­pen­sie­ren. Es braucht des­halb ein Kon­zept, die häus­li­che Pfle­ge als tra­gen­de Säu­le auf­recht­zu­er­hal­ten.

Moni­ka Sinn, selbst pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge, schil­dert ein­dring­lich: „Wir pfle­gen­den Ange­hö­ri­gen tra­gen einen gro­ßen Teil der Ver­sor­gung im Land. Wenn man plötz­lich Ver­ant­wor­tung für einen pfle­ge­be­dürf­ti­gen Men­schen über­nimmt, steht das gan­ze Leben Kopf. Man orga­ni­siert Betreu­ung, redu­ziert Arbeits­zeit, stemmt zusätz­li­che Kos­ten – und dann war­tet man Mona­te auf eine Ent­schei­dung. Die­se Unge­wiss­heit ist kaum aus­zu­hal­ten. Wir tun das aus Lie­be und Ver­ant­wor­tung. Aber wir brau­chen ein Sys­tem, das uns unter­stützt und nicht zusätz­lich belas­tet. Sie­ben Mona­te und man­cher­orts sogar 10 Mona­te War­ten auf das Pfle­ge­geld sind ein­fach zu lang.“

Pfle­ge beginnt mit dem Bedarf – nicht erst mit der Aus­zah­lung einer Leis­tung. Wenn Men­schen sie­ben Mona­te auf eine Ein­stu­fung war­ten müs­sen, ent­steht eine Ver­sor­gungs­lü­cke, die von den Ange­hö­ri­gen geschlos­sen wird – oft unter enor­mer psy­chi­scher und finan­zi­el­ler Belas­tung. Wir brau­chen jetzt einen kla­ren Not­fall­plan. Wenn die Bear­bei­tung der Gesu­che nicht inner­halb der vor­ge­se­he­nen 60 Tage erfolgt, braucht es jetzt einen Not­fall­plan. Als Über­gang könn­te die Ein­stu­fung von Amts wegen ange­wandt wer­den. Als ers­tes muss der Stau an Gesu­chen abge­ar­bei­tet wer­den. Wenn außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen bestehen, müs­sen auch außer­ge­wöhn­li­che Maß­nah­men ergrif­fen wer­den“, betont die Team K Abge­ord­ne­te Maria Eli­sa­beth Rieder

Gera­de in der ers­ten Pha­se einer Pfle­ge­be­dürf­tig­keit ste­hen Fami­li­en vor einer tief­grei­fen­den Umstel­lung ihres All­tags. Rol­len ver­än­dern sich, Arbeits­zei­ten wer­den redu­ziert, Betreu­ung wird orga­ni­siert – und all das ohne ver­läss­li­che Pla­nungs­si­cher­heit. Der Beschluss­an­trag sieht des­halb vor, offe­ne Anträ­ge kurz­fris­tig von Amts wegen ein­zu­stu­fen, zusätz­lich Ver­wal­tungs­per­so­nal des Sani­täts­be­trie­bes befris­tet ein­zu­bin­den, exter­ne fach­lich qua­li­fi­zier­te Leis­tungs­er­brin­ger ver­trag­lich zu beauf­tra­gen und einen inter­dis­zi­pli­nä­ren Arbeits­tisch unter Betei­li­gung von Fach­leu­ten sowie Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­tern pfle­gen­der Ange­hö­ri­ger ein­zu­rich­ten. Ziel ist es, den bestehen­den Rück­stau rasch abzu­bau­en, die gesetz­li­che 60-Tage-Frist wie­der­her­zu­stel­len und das gesam­te Ein­stu­fungs­ver­fah­ren nach­hal­ti­ger und bedarfs­ge­rech­ter zu gestalten.

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